Immer häufiger verlieren Kinder und Jugendliche den Anschluss am schulischen Unterricht. Vordergründig sind die schlechten Noten auf Wissenslücken zurückzuführen, doch meist liegen die Probleme tiefer: Konzentrationsmangel, Hyperaktivität und Prüfungsängste sind nur einige Lernblockaden, die die schulischen Leistungen senken können.
Individuell gestaltete, integrative Lerntherapie kann in solchen Situationen helfen, die Probleme langfristig in den Griff zu bekommen. Insbesondere bei verfestigten Lern-Leistungsstörungen ist die gezielte pädagogisch-psychologische Förderung oftmals die einzige Möglichkeit, Schüler (wieder) zum selbstständigen Lernen zu bringen und ihnen so schulischen Erfolg erfahrbar zu machen.
Damit die lösungsorientierte Therapie jedoch auch fruchtet, kommt es auf einen kompetenten Psychologen mit entsprechender Zusatzqualifikation an. Die Auswahl ist nicht immer einfach, da es derzeit noch kein qualifiziertes Berufsbild für Lerntherapeuten gibt. Jeder, der mit lerngestörten Kindern und Jugendlichen arbeitet, darf sich - auch ohne normierte Ausbildung - „Lerntherapeut“ nennen. Aus diesem Grund zertifiziert der „Fachverband für integrative Lerntherapie“ (FiL) bereits seit mehreren Jahren seine Mitglieder und versucht so, eine Art Qualitätssiegel zu vergeben.
Als Leiterin des „Institut für Integrative Lerntherapie und Kinderpsychotherapie“ (IFILT) gehört die Psychologin Susann Mailandt selbst dem FiL an. Neben zahlreichen Zusatzausbildungen u. a. in den Bereichen Verhaltens- und Gesprächspsychotherapie hat sie auch den Titel „Integrative Lerntherapeutin FiL“ erworben und bildet nun selbst zertifizierte Lerntherapeuten aus. „Die Erfahrung hat mir gezeigt, dass es dabei wichtig ist, in kleinen Gruppen zu arbeiten, um die individuelle Kompetenzentwicklung der Seminarteilnehmer optimal zu unterstützen und ihnen darüber hinaus auch die Möglichkeit zu geben, persönliche Anliegen zu thematisieren. Aus diesem Grund sind unsere Seminare auf maximal 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beschränkt“, erklärt Susann Mailandt.
Die Inhalte der Fortbildung orientieren sich an den Richtlinien des FiL, der sich den Leitspruch „Mit den Stärken die Schwächen überwinden“ auf die Fahnen geschrieben hat. Ausgehend von den Grundlagen des Konstruktivismus nach Maturna und Varela sowie hypno-systemischen Konzepten zur lösungs- bzw. ressourcenorientierten Beratung der Heidelberger Schule werden die Seminarteilnehmer auf die vielfältigen Anforderungen im Berufsalltag vorbereitet.
Professionelle Lerntherapie basiert selten auf einer einzigen Methode bzw. auf einem einzigen Therapieansatz allein. Erst die Kombination verschiedener Elemente, die auf die jeweiligen Bedürfnisse und Fähigkeiten des Schülers abgestimmt sind, macht eine erfolgsversprechende Therapie aus. Im Seminar stellt Mailandt daher verschiedene theoretische Modelle wie beispielsweise das systemische von Dieter Betz und Helga Breuninger oder das hypno-therapeutische nach Milton Erickson zum Verständnis von Lern-Leistungsstörungen vor und verknüpfe sie anschließend inhaltlich miteinander.
Neben den festgelegten Unterrichtsinhalten können die Seminarteilnehmer rund 300 Stunden pro Jahr mit unserer Unterstützung individuell gestalten. Im Wahlpflichtbereich stehen verschiedene Seminare zu „Entspannung“, „Elternarbeit“ oder „Schulrecht“ zur Auswahl. Auch Intervisionssitzungen und Hospitationen in psychosozialen bzw. pädagogischen Einrichtungen sind Bestandteil der Ausbildung.
„Besonderen Wert lege ich darauf, dass der Unterricht abwechslungsreich gestaltet ist, denn nichts ist langweiliger als ein monotones Seminar in Form von Frontalunterricht. Damit die Teilnehmer sich einbringen und möglichst effizient lernen, wechsele ich zwischen kurzen theoretischen Inputs, moderierten Diskussionen und der Arbeit in Kleingruppen. Theorie ist zwar wichtig, sie allein macht aber noch keinen guten Therapeuten aus“, so Mailandt weiter. Nur wer die Praxis erfahre und parallel in Einzelarbeit oder Kleingruppen fördernd tätig sei, könne sein theoretisch erworbenes Wissen auf seine tägliche Arbeit übertragen und rückwirkend Alltagserfahrungen ins Seminar einfließen lassen.
Daher vermittelt Susann Mailandt alle Seminarinhalte inklusive der theoretischen Anteile praxisorientiert und trainiert die erarbeiteten Inhalte mit ihren Teilnehmern beispielsweise durch Rollenspiele. Von Beginn an werden u. a. Übungen und Geschichten angeboten, die zur eigenen Entspannung genauso geeignet sind, wie für die Arbeit mit Kindern und Eltern. Anhand von Videoaufzeichnungen mit anschließender Analyse erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von erfahrenen Spezialisten Feedback und gewinnen so kontinuierlich an Selbsterfahrung dazu, denn nur ein reflektierter Umgang ermöglicht die Entwicklung und Etablierung einer eigenen therapeutischen Rolle.
Gezielt werden die Seminarteilnehmer auf die diagnostische Urteilsbildung und Feststellung des individuellen Förderbedarfs der Kinder und Jugendlichen mit Lern-Leistungsstörungen vorbereitet. Um effizient arbeiten zu können, sind Konzepte zur ressourcen- und lösungsorientierten Gesprächsführung speziell in Bezug auf die Anamnese und Exploration unabdingbar. Sie bilden das Grundhandwerkszeug für alle therapeutischen Gespräche. Ziel der Ausbildung ist es, die Seminarteilnehmer zur selbstständigen Diagnostik im den Anforderungsbereichen Lesen, Schreiben, Rechnen sowie in allgemeinen intellektuellen Prozessen zu befähigen.
Dabei darf die Analyse des kindlichen Verhaltens unter dem familiären und schulischen Einfluss nicht fehlen. Unter Einbezug der Sensomotorik sollen die Teilnehmer lernen, diese Funktionalbereiche individuell zu fördern. Insbesondere der Aufbau von Basisfähigkeiten und -fertigkeiten spielt angefangen von der Selbststeuerung und -organisation über Konzentrationsförderung bis hin zum Aufbau einer positiven Lernstruktur eine zentrale Rolle. Zu allen Förderbereichen stellt IFSEC den Seminarteilnehmern unterschiedliche Methoden und Übungsformen vor und hält Materialien aus der Legasthenie- und Dyskalkulietherapie bereit. Mit diesen, in der Praxis erprobten Förderkonzepten können Kinder und Eltern individuell gefördert und unterstützt werden.
Am Ende der Weiterbildung steht dann eine praxisbezogene Hausarbeit, d.h. meist eine durch reflektierende Kommentare ergänzte Falldokumentation. Drei Jahre und rund 1.500 Stunden dauert es, bis sich die Teilnehmer offiziell „Lerntherapeut FiL“ nennen dürfen. Dieser Titel bezeugt nicht nur, dass sie eine wissenschaftliche Grundausbildung absolviert haben, sondern auch, dass sie über mehrjährige Praxiserfahrung verfügen. Die zertifizierten Experten für außerschulische Lerntherapie verpflichten sich, die vom FiL festgelegten Qualitätsstandards zu erfüllen und erklären darüber hinaus, sich mit den vom Verband verabschiedeten berufsethischen Verpflichtungen zu identifizieren. Mit Abschluss der Weiterbildung ist dieses Ziel jedoch nicht endgültig erreicht: Immer neue Forschungserkenntnisse und sich wandelnde Herausforderungen an Lerntherapeuten machen es notwendig, dass der Einzelne auch weiterhin kontinuierlich an Fortbildungen teilnimmt.
Weitere Informationen zur Weiterbildung Lerntherapie finden Sie hier
